Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Dringt man aber auf diesem Wege weiter — meine sehr verehrten Anwesenden —, so dringt man ja von dem — ich möchte sagen — ganz verdünnten, bloß bildhaften Vorstellungsleben vor zu demjenigen, was wirkliche Realität ist, was in dem Menschen gestaltend lebt. Es ist nicht der physische Leib, es sind nicht die physischen Organe, es ist ein übersinnlich Kraftendes, aber es ist da. Man erfasst etwas, was außerhalb des physischen Leibes liegt. Und man dringt dadurch ein, indem man einfach nach der einen Seite hin die Seelenrätsel verfolgt; man dringt dadurch ein in dasjenige, was unabhängig von dem menschlichen physischen Leibe eine übersinnliche Realität im Menschen hat. Man dringt vor bis zu dem, was durch die Geburt oder durch die Konzeption — sagen wir — als menschlicher physischer Leib, der da zubereitet wird durch die bloßen Vererbungsverhältnisse, durch bloße, äußere Naturtatsachen, was als menschlicher Leib vorgebildet wird. Man lernt erkennen, wie sich mit den vererbten Merkmalen, die von Eltern oder Voreltern herrühren, mit dem ganzen Leib, der sich im mütterlichen Organismus bildet, aus der geistigen Welt heraus dasjenige verbindet, was man im Leben wiederfindet, wenn man das Vorstellungsleben erkraftet. Man gelangt — ich möchte sagen — zu der einen Seite der Unsterblichkeitsfrage. Man schaut hin auf dasjenige, was unsterblich, was ewig ist in der Menschennatur, weil es aus einer geistigen Welt durch Konzeption und Geburt in dasjenige eindringt, was menschlich-leiblich ist, und weil es fortwirkt auch während des Erdenlebens als die innere, plastische Gestaltungskraft, mit der wir uns verbinden, indem wir in der angedeuteten Weise unser Gedankenleben verstärken.
Cite:
GA 80a/1922-01-17/p030 · edition original