Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Wie wir durch die Plastik des Denkens kennenlernen eben zunächst das geistig-plastische Element der menschlichen Seele, das durch Geburt oder Empfängnis in den physischen Leib einzieht, so lernen wir erkennen, wie das willensartige Element den menschlichen Leib auflöst, aber im Auflösen — ich möchte sagen, wie gesagt, bildlich gesprochen — aus der Flamme die reine Geistigkeit hervorgehen lässt. Wir lernen den Auszug der Seele aus dem Leibe kennen. Wir lernen auf diese Weise aus dem Verfließen des Willenselementes heraus den Tod verstehen. Wir lernen verstehen dasjenige, was im Tode mit dem Menschen vorgeht, weil wir verstehen lernen dasjenige, was beim alltäglichen Willensentschluss im Menschen vorgeht. Der alltägliche Willensentschluss bewirkt im physischen Leibe — wie gesagt, bildlich gesprochen — eine Art Verbrennungsprozess, aber aus diesem Verbrennungsprozess geht hervor dasjenige, was unser inneres Seelenleben ist. Was wir innerlich als Seele empfinden, es könnte nicht da sein, wenn wir immer bloß Leib wären, bloß plastisch gestaltet würden. Das Plastische muss abgebaut werden, verfließen, und aus dem Verfließenden des Plastischen, aus dem immer Fortwährend-zerstörtWerdenden des Leiblichen geht das Erleben des Seelischen hervor. Und wir begreifen den Auszug der Menschenseele mit dem Tode aus dem physischen Leibe, der nur in einen Augenblick zusammengefasst dasjenige darstellt, was immerdar sich in der Entfaltung des Willens zur Geistigkeit der Seele darstellt. So wie ich im gegenwärtigen Augenblick meinen Willen erlebe, wie er eine Art Verbrennungsprozess, Auflösungsprozess im Leibe bildet, wie durch die Zerstörung das Geistige auflebt im menschlichen Leib, so lerne ich erkennen, wie mit dem anderen Zerstören des Leibes im Tode, das nichts anderes ist als die letzte Wirkung des im Leibe verborgenen Willens, wie da das Geistige wiederum zurückkehrt in die geistig-seelische Welt.
Cite:
GA 80a/1922-01-17/p038 · edition original