{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-23/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun könnte allerdings keine geistige Forschung heute auf die Dauer irgendwie Eindruck machen, fruchtbare Wirkungen ausüben, die im Widerspruch sich stellen wollte zu demjenigen, was in so bedeutsamer Weise heraufgekommen ist im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte und insbesondere des neunzehnten Jahrhunderts durch die Naturwissenschaft mit ihren praktischen Ergebnissen. Das aber will Anthroposophie sicher nicht. Sie möchte gerade diejenigen Wege, die in der Naturwissenschaft zu bedeutungsvollen Ergebnissen geführt haben, bis in die geistigen Welten hinein weiter beschreiten. Daher muss sie gerade auf die Seite derjenigen Naturforscher, der besonnenen Naturforscher sich stellen, welche aus einer gründlichen Verfolgung der naturwissenschaftlichen Wege von Grenzen dieser Naturwissenschaft sprechen. Diese Grenzen ergeben sich ja bald, wenn man bedenkt, dass die Naturwissenschaft nur kann beobachten die äußere Sinneswelt, nur kann durch den Intellekt, durch den Verstand kombinieren die Tatsachen der äußeren Sinneswelt, die sich der Beobachtung oder dem Experiment ergeben, und dann gewisse Naturgesetze aus diesen Beobachtungen, aus diesen Experimenten kombinieren kann; Naturgesetze, in die allerdings auch der Mensch mit seiner physischen Leiblichkeit eingespannt ist. Aber die Versuche, die gemacht werden, um durch den bloßen Verstand — wie man auch wohl sagt, durch philosophisches Denken — über diese Grenzen, die uns die Sinneswelt setzt, hinauszukommen, sie lassen den unbefangenen Menschen doch immer unbefriedigt. Der unbefangene Mensch fühlt: Sobald das wissenschaftliche Denken, wie man es heute gewohnt ist, die Wege der Sinneserfahrung, des Experiments, der Beobachtung verlässt, so kommt das sich selbst überlassene Denken in eine Unsicherheit hinein. Der Streit der philosophischen Systeme bezeugt ja, wie sehr man da mit dem sich selbst überlassenen Denken in ein Unsicheres hineinkommt. Gerade anthroposophische Forschung macht einem klar, wie dieses Denken, das wir im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen, anerkannten Wissenschaft haben, nicht nur seiner Gewohnheit nach oder aus einer Willkür heraus sich an die Sinneserfahrung bei dem besonnenen Naturforscher bindet, sondern wie es selber Schritt für Schritt abhängig ist von dieser Sinneserfahrung, sodass es nur eine Sicherheit hat, wenn diese äußerliche Erfahrung, diese sinnliche Erfahrung es führt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-01-23","location":null,"word_count":331,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-23/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}