Das Wesen der Anthroposophie
Kurz — meine sehr verehrten Anwesenden —, gerade wenn man nicht laienhaft und dilettantisch naturwissenschaftlich denken kann, dann sieht man das Unbefriedigende diesem sich selbst überlassenen Denken gegenüber, das irgendwie philosophisch in das Übersinnliche eindringen will, man sieht diese Berechtigung [dieses Unbefriedigenden] ein. Viele Menschen unserer Zeit halten daher durchaus nicht viel davon, ihre Seelenbedürfnisse, ihre Sehnsuchten gegenüber dem Ewigem in der Menschenseele durch solch ein sich selbst überlassenes Denken zu befriedigen. Und in unserer Zeit, in der die alten Traditionen des religiösen Lebens, des Glaubens, als solche immer wankender und wankender werden, brauchen doch die Menschen solche neuen Stützen. Daher finden sich viele tiefer veranlagte Gemüter in unserer Zeit, welche einsehen: Eine auf das sich selbst überlassene Denken vertrauende Weltanschauung kann der Seele nicht den nötigen Halt, die nötige Sicherheit geben. Daher wenden sich solche tiefer veranlagten Naturen heute gewissen mystischen Richtungen zu.
Cite:
GA 80a/1922-01-23/p007 · edition original