{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-23/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dass es solche in der Menschenseele schlummernde Kräfte gibt, die heraufgeholt werden können, die höhere Erkenntniskräfte werden können als die des gewöhnlichen Lebens und der gewöhnlichen Wissenschaft, das kann allerdings nur die Praxis beweisen, von der ich Ihnen heute Abend sprechen will. Dass man aber überhaupt dazu gelange, solche Erkenntniskräfte durch eigene Seelenentwicklung zu suchen, dazu gehört etwas, was ich nennen möchte intellektuelle Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit muss einem in irgendeinem Moment des Lebens einmal sagen: Du warst einstmals ein Kind mit traumhaften Seelenkräften, Seelenkräften die der Außenwelt gegenüber ohne alle Orientierung waren, mit einer Seelenverfassung, die dumpf war gegenüber derjenigen, die du heute in dir trägst. Die äußere Erziehung und das Leben, sie haben herausgeholt aus der Seele dasjenige, was in ihr schlummerte. Sie haben herangebildet diejenigen Erkenntniskräfte, die eben heute allgemein anerkannt werden bei einen Menschen, der eine entsprechende Lebens- oder sonstige Erziehung hat. Nun muss man sich einmal im Leben eben durch intellektuelle Bescheidenheit sagen: Man kann auch von dem Standpunkte aus, den man auf diese Art errungen hat durch die gewöhnliche Erziehung, durch das gewöhnliche Leben, seine Selbstentwicklung nun in die eigenen Hände nehmen und sich weiter bringen, als man war, kann weitere, in der Seele schlummernde Kräfte aus dieser herausholen. Und mit solchen, bei jedem Menschen in der Seele schlummernden Kräften, die durchaus nichts anderes darstellen in ihrer Entwicklung als eine Fortsetzung der normalen menschlichen Seelenkräfte, mit solchen Kräften will Anthroposophie forschen. Forschen nach demjenigen, was hinter der Sinneswelt liegt, forschen nach demjenigen, was als Ewiges in der Menschenseele verborgen ist, und was zusammenhängt mit den allerwichtigsten Sehnsuchten und Lebensrätseln dieser Menschenseele, Ich werde Ihnen allerdings nicht zu sprechen haben von äußeren Maßnahmen, die etwa zu treffen seien, um solche in der Seele schlummernden Kräfte aus dieser heraus zu entwickeln. Ich werde Ihnen von intimen Übungen der menschlichen Seele zunächst zu sprechen haben, wenn ich die Wege charakterisieren will, welche Anthroposophie in die übersinnliche Welt hineinnimmt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-01-23","location":null,"word_count":321,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-23/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}