Das Wesen der Anthroposophie
Der Mensch braucht, um überhaupt seine Seelenfähigkeiten im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu entwickeln, den physischen Leib. Und er wird erst vom physischen Leibe frei, indem er also das Denken erkraftet, intensiver, lebendiger macht. Das Denken wird in dem Grade vom physischen Leibe frei, wie die äußeren sinnlichen Erscheinungen vom physischen Leibe frei sind. Bedenken Sie, wie unabhängig der physikalische Apparat des Auges ist von dem übrigen menschlichen Organismus. Ich kann das jetzt nicht weiter charakterisieren, möchte nur andeuten. Dasjenige, was im Auge geschieht unter dem Einflusse der Außenwelt, das macht in einer gewissen Weise aus, dass der Mensch in den Sinneswahrnehmungen des Auges einer objektiven Welt hingegeben ist. Indem er sein Denken mit dieser objektiven Welt verknüpft, wird auch das Denken selber in eine objektive Welt eingeführt. Der Mensch kommt durch das sinnliche Wahrnehmen in einer gewissen Weise aus sich heraus.
Cite:
GA 80a/1922-01-23/p015 · edition original