Das Wesen der Anthroposophie

GA 80a/1922-01-23/p016 ·1922-01-23 · original (original)
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Es ist hier nicht der Ort, tiefe erkenntnistheoretische Betrachtungen anzustellen, aber das, was ich sage, kann jedes einfache Menschengemüt einsehen. Es kommt der Mensch heraus aus sich, wenn er auf diese Weise Meditations- und Konzentrationsübungen macht, wie ich sie beschrieben habe. Dann aber merkt der Mensch, wie er in der Tat jetzt erst allmählich lernt, das seelische Leben als solches unabhängig vom Leibe zu entwickeln. So grotesk, so paradox es für den Menschen der Gegenwart noch klingt: Man lernt durch Erfahrung, durch Lebenspraxis kennen, was es heißt, Gedanken [zu] haben außerhalb des menschlichen physischen Organismus. Diese Gedanken sind allerdings andere als die gewöhnlichen blassen Gedanken, auch als diejenigen, die sich mit Naturgesetzen zu befassen haben. Bildhaft wie die äußeren Sinneseindrücke selbst sind diese entwickelten, erkrafteten Gedanken. Dasjenige, was wiederum dem anthroposophischen Forscher voll klar ist, es darf gerade auf dieser Stufe des Erkennens nicht fehlen. Ich habe in den genannten Schriften und auch sonst diese Stufe des Erkennens die imaginative Stufe genannt. Imaginativ nicht deshalb, weil man sich etwas einbildet, sondern weil das Denken aus der abstrakten Form durchaus in die bildhafte, in die lebendige, in die intensivierte Form übergeht. Aber dasjenige, was innerhalb dieses imaginativen Denkens derjenige, der anthroposophische Forschungswege einschlägt, durchaus in seinem Bewusstsein hat, und was notwendig ist, das ist, dass er weiß: Du trägst jetzt nur etwas in deinen Gedankenbildern mit dir, was innerhalb deiner eigenen menschlichen Wesenheit lebt.

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Cite: GA 80a/1922-01-23/p016 · edition original