Das Wesen der Anthroposophie
Sie sehen, wie vorsichtig geschildert werden muss der anthroposophische Erkenntnisweg. Man muss darauf aufmerksam machen, wie diese erste Stufe zwar erleben lässt ein intensiveres, eigenes Inneres des Menschen, wie aber der Mensch sich klar werden muss, dass er noch keine Außenwelt zunächst erlebt, sondern nur dieses menschliche Innere. Aber man erlangt schon ein erstes Ergebnis, wenn man das Innere erkraftet an einem solchen intensiveren, bildhaften, an einem solchen imaginativen Vorstellen. Denn man gelangt nach und nach dazu, wie in einem umfassenden Lebenstableau alles dasjenige vor der Seele stehen zu haben, was an einem gebildet hat, was an einem geschafft hat innerlich seelisch seit der Geburt bis zu dem gegenwärtigen Augenblick. Wir tragen das, was wir in der Seele innerlich haben, ja sonst nur in uns in der Form der gewöhnlichen Erinnerung. Die Strömung, aus der willkürlich oder unwillkürlich die Erinnerungen an dieses oder jenes Erlebnis auftauchen, diese Strömung verläuft im Wesentlichen unterbewusst. Wir wissen ja, wie abstrakt sie verläuft, wie abgeschattet gegenüber den wirklichen Erlebnissen, wenn wir drinnenstehen, diese Erinnerungsbilder sind. Mit diesen Erinnerungsbildern darf dasjenige nicht verwechselt werden, was jetzt vor der imaginativen Erkenntnis auftritt. Nicht etwa bloße Erinnerungen treten auf, sondern es tritt dasjenige auf, was einem andeutet, wie man geworden ist. Ja, bis in die ersten Jahre der Kindheit hinein sieht man innerliche Kräfte, die die gewöhnlichen Fähigkeiten des Lebens in einem entwickelt haben. Man sieht, wie sich die moralischen, die intellektuellen Fähigkeiten entwickelt haben, wie sie sich hineingegliedert haben in die Wachstums-, in die Ernährungskräfte. Man schaut wirklich in das menschliche Innere hinein.
Cite:
GA 80a/1922-01-23/p017 · edition original