{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-23/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist das Wesentliche der anthroposophischen Forschung, dass sie nicht durch bloßes Denken, nicht durch mystisches Versenken, sondern durch Entwicklung von Seelenkräften, die sonst im Inneren der Menschen schlummern, zu der Anschauung des wirklichen Geistig-Seelischen vorrückt. Man könnte natürlich, wenn man so etwas hört, leicht sagen: Nun ja, dann können zu solcher Überzeugung von der Unsterblichkeit der Menschenseele — oder besser gesagt, wenn ich von dem spreche, wovon ich bisher gesprochen habe —, von dem Ungeborensein der Menschenseele nur diejenigen sprechen, welche eben zu solchen Erkenntnissen aufrücken. Nun, erstens ist das der Fall, dass durch solche Bücher, wie ich sie genannt habe, für jeden Menschen dasjenige ermöglicht werden kann, was ihn die ersten Schritte machen lässt zu einer solchen übersinnlichen Erkenntnis, wie ich sie geschildert habe. Und wenn das auch heute noch ungewohnte Seelenwege sind, derjenige, der in sie eingedrungen ist, weiß, dass sie immer mehr und mehr werden die Wege der Menschheitsentwicklung sein. Weil sie heute erst wie ein Erstes in die Geistesentwicklung der Menschheit eintreten müssen, deshalb nehmen sie sich für viele paradox aus. Allein ebenso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um mit vollem inneren Seelenanteil vor einem guten Gemälde entzückt zu sein, es zu durchschauen in seiner Wesenheit, in dem, was der Maler gewollt hat, ebenso wenig braucht man anthroposophischer Forscher zu sein, um dasjenige als wahr anzuerkennen, was von dem anthroposophischen Forscher geltend gemacht wird. Der gesunde Menschenverstand reicht durchaus hin, so wie das gewöhnliche Empfinden gegenüber einer Kunstleistung hinreicht, um sie zu würdigen. Denn es ist in der menschlichen Seele eine ursprüngliche Anlage für die Empfindung der Wahrheit. Deshalb kann man durchaus nicht sagen, dass nur derjenige, der selbst in der geschilderten Weise Geistesforscher ist, anerkennen könne die Ergebnisse der Geistesforschung. Nur dass man durch viele Jahrhunderte in der Menschheitsentwicklung gewohnt worden ist, solche Dinge überhaupt nicht gelten zu lassen, das hat allmählich für den Verstand, für den Intellekt die Vorurteile hervorgerufen, die heute noch nicht als für den gesunden Menschenverstand vernünftig erscheinen lassen dasjenige, was die anthroposophische Forschung als ihre Wege und ihre Ergebnisse charakterisiert.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-01-23","location":null,"word_count":344,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-23/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}