{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-23/p027","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Fügt man zu diesen Übungen noch andere, die ich bezeichnen möchte als gesteigerte menschliche Selbstschau — alles das muss bei absoluter innerer Besonnenheit, mit absoluter Willkür vollbracht werden —, vollzieht man eine solche Selbstschau in der Art, dass man dasjenige, was man tut, was man denkt und fühlt, die ganze Art und Weise, wie man als Mensch ist und handelt, beobachtet, wie wenn man als ein anderer, als ein zweiter Mensch neben sich selber stünde, wird man in Bezug auf den Willen bedächtig, dann reißt sich der Wille allmählich los von der Körperlichkeit, wenn die Übungen nur lange und energisch ausgeführt werden, insbesondere, wenn man auch noch aktiv in die eigene Entwicklung eingreift. Bedenken Sie nur, wie der Mensch im gewöhnlichen Leben weitergebracht wird durch dasjenige, was das Leben selber gibt. Gewiss, jeder ist doch anders heute, als er vor zehn, zwanzig Jahren war in Bezug auf gewisse feinere Nuancen des Seelenlebens. Das hat das Leben getan. Nimmt man aber diese seine Selbstentwicklung selber in die Hand, nimmt man sich vor: Du sollst dir diese oder jene Eigenschaft einverleiben; arbeitet man darauf hin, sich solche Eigenschaften einzuverleiben, arbeitet man besonders energisch darauf hin, gewisse Gewohnheiten von sich loszubekommen, dann bildet man dasjenige aus, was den Willen losreißt von der physischen Leiblichkeit. Und man gelangt jetzt dazu, den Willen sozusagen nur insoweit in der Seele leben zu haben, als er ganz von Gedanken überall durchzogen ist; er ist losgerissen von der Leiblichkeit, er ist durchsichtig geworden. Bedenken Sie, wie wenig durchsichtig das Wollen ist, wenn wir den Gedanken fassen, sagen wir, den Arm zu heben, die Hand zu heben. Der Gedanke, die Absicht ist klar, und nachher, wenn die Hand gehoben ist, sehen wir an dem Sinneseindruck, was geschehen ist. Was dazwischen liegt an Willensentfaltung, das ist für das menschliche Bewusstsein so verborgen, wie die Vorgänge des Schlafens selber. Jetzt aber erleben wir einen Willen, in dem wir ganz drinnen sind, wie wir sonst nur in den Gedanken sind, einen leibfreien Willen, der sich fügt zu den leibfreien imaginativen und inspirierten Vorstellungen, die wir vorher bekommen haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-01-23","location":null,"word_count":346,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p027","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p027"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-23/p027","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}