{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-23/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie sehen - meine sehr verehrten Anwesenden —, nicht als ein Gedanke tritt vor anthroposophische Forschung das Ewige der Menschenseele, sondern es gliedert sich zusammen aus dem vorgeburtlichen und aus dem, wenn ich so sagen darf, nachtodlichen Dasein, aus Ungeborenheit und Unsterblichkeit. Und indem man so kennenlernt dasjenige, was ewig ist, was unsterblich ist in der menschlichen Seele, lernt man auch erkennen diejenigen Welten, welche diese Menschenseele umgeben, wenn sie in ihrem rein geistig-seelischen Wesen ist, indem man hinschaut auf dasjenige, was die Seele war vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption. Es ist natürlich noch eine Einwendung möglich, die Einwendung: Ja, wie weiß man denn, dass dasjenige, was man da im Bewusstsein anschaut, wirklich der Zeit nach vor der Geburt oder vor der Konzeption liegt? Nun, wie schon bei der gewöhnlichen Erinnerung, wenn Sie sich erinnern an ein Erlebnis, das Sie vor zehn Jahren hatten, die Erinnerung selbst die Zeit enthält, wie Sie nicht glauben können, Sie haben etwas im Bewusstsein, was nur in der Gegenwart da ist, wie schon der Bewusstseinsinhalt durch sich selbst auf die Zeit hinweist, in der das Erlebnis verlaufen ist, so trägt dasjenige, was wir als Geistig-Seelisches erleben, in sich die Zeit vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption. Aber auch werden wir gewahr die Welten, die dann nicht die sinnlichen sind, denn sie nehmen wir nur zwischen Geburt und Tod wahr durch die Menschensinne. Aber diejenigen Welten, die wir wahrnehmen durch die Seelensinne, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, vor der Geburt und nach dem Tode, sie sind jetzt aufgeschlossen. Wir lernen sie als konkrete, wesenhafte Welten kennen. Und indem wir diese Welten kennenlernen, lernen wir auch die geistig-übersinnliche Welt kennen, die uns immer umgibt, in die wir nicht eindringen können durch bloße philosophische Spekulation. In die dringen wir ein, indem wir immer mehr und mehr imaginative, inspirierte, intuitive Erkenntnis entwickeln.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Wesen der Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-01-23","location":null,"word_count":308,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-23/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-23/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}