Das Wesen der Anthroposophie

GA 80a/1922-01-23/p039 ·1922-01-23 · original (original)
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Hätte man auf irgendeinem anderen Gebiet einer geistigen Strömung gegenüber die Notwendigkeit gefühlt, ihr ein eigenes Heim zu bauen, so wäre man eben in Verbindung getreten mit diesem oder jenem Baumeister. Da wäre vielleicht ein romanischer oder ein gotischer oder ein Renaissancebau entstanden oder dergleichen. Das konnte Anthroposophie nicht. Man mag dasjenige, was entstanden ist, nach seiner künstlerischen Seite noch so sehr anfechten — das, was manche behaupten, ist es ja jedenfalls nicht. Aber wenn man gerade von dem durchdrungen ist, was Anthroposophie als Gesinnung der Seele geben kann, dann ist man selbst ein strengster Kritiker und schildert das, was man zu schildern hat, zunächst nur als Anfang. Von diesem Gesichtspunkte aus sei denn auch das Goetheanum geschildert. Es konnte sich bei der Anthroposophie, weil sie nicht nach einer Einseitigkeit hinstrebt, sondern weil sie aus dem ganzen, dem vollen Menschentum herausquillt, und wiederum den ganzen, vollen Menschen in die Welt stellen will, nicht darum handeln, einen beliebig stilisierten Bau als Heim aufzuführen.

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