Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-26/p011 ·1922-01-26 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Ich führte dieses Beispiel einleitend nur an, um darauf hinzuweisen, wie kritisch Anthroposophie ist, trotzdem sie im strengsten Sinne auf den Weg hindeutet, der wirklich nun ins übersinnliche Gebiet hineinführt und uns zeigt, wie des Menschen ewiger Wesenskern zusammenhängt mit dem Ewigen im Kosmos, wie das einzelne, alltägliche, menschliche Seelenereignis als Ausgangspunkt genommen werden kann zu den großen Fragen von Geburt und Tod, von Unsterblichkeit und Ungeborenheit. Obwohl Anthroposophie im strengsten Sinne solche Wege zu dem Übersinnlichen aufsucht, muss sie dennoch dasjenige kritisch abweisen, was in Anlehnung an abnorme menschliche Fähigkeiten sich nur mit dem befassen kann, was doch nur im Sinnensein sich abspielt. Wer zu würdigen versteht, was solche Kritik der Anthroposophie bedeutet, der wird dann doch gerade gegenüber den Seelenfragen Anthroposophie nicht im Lichte jener Missverständnisse sehen wollen, in denen sie heute von vielen, die sich nur obenhin mit ihr beschäftigen, eben noch gesehen wird. Aber Anthroposophie ist eben ihren ganzen Forschungsmethoden nach darauf angewiesen, in das intimste innere Seelenleben hinein wissenschaftliche Methodik zu tragen. Sie muss in der Seele schlummernde Fähigkeiten erwecken, und sie erweckt sie — nicht durch irgendwelche phantastische oder mystische Methoden, sondern sie erweckt sie durch systematische Schulung, wie ich sie — wenigstens probeweise — in den zwei schon erwähnten Vorträgen beschrieben habe. Aber die gegenwärtige Menschheit würde über solche Fragen leichter ein unbefangenes Urteil gewinnen, wenn man sich darüber unterrichten wollte, wie verschieden die Menschen über die Erdengebiete hin das Schauen und auch den Glauben aus den intimen Untergründen ihres Seelenlebens heraus begründen wollen. Ich möchte dabei nur auf zwei gleichsam polarische Gegensätze hinweisen, wenn es sich darum handelt, die verschiedenartigen Fähigkeiten der Menschen über den Erdkreis hin zu charakterisieren.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-26/p011.json
Cite: GA 80a/1922-01-26/p011 · edition original