Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Dies — sehr verehrte Anwesende — wollte ich nur vorausschicken, um zu zeigen, dass man allerdings sich Vorstellungen machen muss über die Art und Weise, wie sich die Menschen im neunzehnten Jahrhundert den Seelenrätseln nähern wollten, wie gewissermaßen die Seelenfragen heute brennende Fragen sind, und wie aus den Eigentümlichkeiten des Geisteslebens in den verschiedensten Erdgebieten Hindernisse und Hemmnisse da sind, um in völlig ungehinderter Weise Wege zu finden in die Gebiete hinein, in denen das Ewige der Menschenseele wurzelt. Der Mensch tritt uns ja zunächst im Dasein so entgegen, dass er als ein einheitliches Wesen uns erscheinen muss. Das ist auch voll berechtigt. Aber in diesem einheitlichen Wesen muss man das aufsuchen, was an Wirklichkeitsformen eingetreten ist in diesem einheitlichen Wesen. Die Art und Weise, wie dies von der Anthroposophie versucht wird, wird vielfach angefochten von denjenigen Menschen, die sich in einer abstrakten Weise Monisten oder dergleichen nennen. Anthroposophie sündigt in keiner Weise gegen einen berechtigten Monismus. Denn man verleugnet nicht, dass im Wasser eine einheitliche Wirksamkeit ist, wenn man aufzeigt, wie Sauerstoff und Wasserstoff im Wasser wirksam vorhanden sind. Ebenso wenig verleugnet man das, was uns als einheitliche Menschennatur entgegentritt, wenn man die Wirklichkeitsformen gewissenhaft wissenschaftlich aufsucht, die in der Menschennatur zusammenströmen. Aber diese Wirklichkeitsformen strömen eben in rätselhafter Weise zusammen. Wir sehen, wenn wir uns unsern äußeren sinnlichen Beobachtungen hingeben und diese durch die anerkannte Wissenschaft, durch Physiologie, Biologie und so weiter vertiefen, die äußere physische Leiblichkeit des Menschen. Auf der anderen Seite sehen wir, wie sich aus dieser physischen Leiblichkeit heraus das Seelische offenbart, wie es die physische Leiblichkeit durchdringt, sie belebt und den Geist in sie hineinströmen lässt.
Cite:
GA 80a/1922-01-26/p017 · edition original