Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-26/p020 ·1922-01-26 · original (original)
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Du Bois-Reymond glaubte — er sprach das aus in seiner berühmten Rede «Über die Grenzen des Naturerkennens» —, dass der Mensch als ein bewusstes, wachendes Wesen für seine eigene Erkenntnis nicht durchschaubar sei, dass diese Erkenntnis an gewisse Grenzen komme, wenn es sich um das menschliche Bewusstsein handele. Aus den Bewegungen, welche der Stoff in unserm Nervensystem durchmacht, können wir nicht begreifen — so meinte du Bois-Reymond —, wie wir empfinden: «Ich sehe rot, ich höre Orgelton, ich rieche Rosenduft.» Aber du Bois-Reymond meinte, man könnte mit der gewöhnlichen Naturwissenschaft den schlafenden Menschen begreifen, bei dem das Bewusstsein herabgedämmert ist, also gerade dasjenige, was auch nach seiner Meinung für das gewöhnliche Naturerkennen unergründlich ist. Nein! Sondern durch das, worin heute die Naturwissenschaft groß ist, kann der schlafende Mensch ebenso wenig begriffen werden wie die Pflanze. Was als Leben ein Wesen durchklingt, das kann erst geschaut werden in übersinnlicher Erkenntnis, in übersinnlicher Anschauung, wie ich sie charakterisiert habe zum Beispiel in meinen Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und «Geheimwissenschaft im Umriss» und in den beiden bereits erwähnten Vorträgen. Was den Menschen als schlafendes Wesen belebend so durchdringt wie die Pflanze, es kann nicht durch die gewöhnliche Naturwissenschaft erkannt werden. Hier ist der Mensch als physisches Wesen erst zugänglich, wenn er gestorben ist. Und wenn er gestorben ist und als Leichnam vor uns liegt, so sehen wir ja, wie er beginnt ganz anderen Gesetzen zu folgen, als diejenigen waren, denen er folgte von der Geburt oder der Konzeption bis zum Tode.

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