Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Sehr gut ist diese Hilfe noch: Ich brauche dazu nur zu schildern, wie der Mensch immer ein anderer ist nach gewissen Zeiträumen. Wir wissen alle, wie wir in unserer gesamten Seelen- und Lebensverfassung nach einem Jahrzehnt anders geworden sind, als wir vorher waren. Das aber, was uns anders gemacht hat, ist das Leben. Das Leben hat uns in seine große Schule genommen, hat uns andere oder veränderte Seelenerfahrungen gegeben, hat uns gewisse Gewohnheiten genommen, andere gegeben und so weiter. Wir sind mehr oder weniger passiv dem Leben hingegeben, wenn es sich um die Verwandlung, um die Metamorphose unserer eigenen Seelen- oder Leibeskonstitution handelt. Wenn man aber selbst in die Hand nimmt, was da in den sittlichen Gewohnheiten und Motiven wirkt, indem man sich zum Beispiel sagt: Du hast eine Gewohnheit, du willst sie ändern und zu einer ganz anderen machen oder Ähnliches, und wenn man sich darin genügend übt, besonders wenn man sich über die Zeiten hin laufende Ziele steckt, dann erreicht man immer mehr und mehr das, was die Unabhängigkeit des Willens von der physischen Leiblichkeit des Menschen ist. Dadurch aber wird etwas ausgebildet zu einer Erkenntniskraft, von dem man mit Recht sagt, dass es so, wie es im gewöhnlichen Leben ist, eine Erkenntniskraft nicht werden soll, und ich weiß sehr gut, was gegen die Anwendung dieser Kraft, wie sie im gewöhnlichen Leben ist, als Erkenntniskraft spricht. Aber so soll sie auch in der Anthroposophie nicht angewendet werden, sondern verwandelt. Eine Metamorphose soll davon auf übersinnlicher Stufe durchgemacht werden.
Cite:
GA 80a/1922-01-26/p033 · edition original