Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-26/p035 ·1922-01-26 · original (original)
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Nehmen wir das menschliche Auge. Es ist verhältnismäßig selbstständig, ist als eine Art selbstständiger Organismus bis zu einem gewissen Grade in den menschlichen Gesamtorganismus eingegliedert. Wir können das Auge sachgemäß im Dienste unserer gesamten Menschlichkeit dadurch gebrauchen, dass es in sich voll durchsichtig ist. Ich möchte sagen im übertragenen Sinne: Das Auge dient uns, weil es selbstlos in unsern Organismus eingeschaltet ist. Wird das Auge getrübt, wird zum Beispiel sein Glaskörper getrübt, tritt irgendwie Star ein, durchsetzt es sich also mit Eigenmaterie, dann hört auch die Möglichkeit auf, durch das Auge in die physische Sinneswelt hinauszusehen. Nun soll durchaus nicht behauptet werden, dass etwa für das gewöhnliche Leben unser physischer Organismus zu vergleichen wäre mit einem kranken, mit Eigenstoff ausgefüllten Auge. Aber für die höhere Erkenntnis ist er es. Gerade das, was ihn zu einem gesunden Organismus im gewöhnlichen physischen Leben macht, das macht ihn auch unfähig, dem Menschen dazu zu dienen, im gewöhnlichen Leben in höhere, übersinnliche Welten erkennend hineinzugelangen. Machen wir dagegen solche Willensübungen, wie ich sie angedeutet habe, um das sonst Dunkel-Bleibende des Willens zu durchdringen, dann machen wir aber auch — in geistig-seelischer Art — den ganzen menschlichen Organismus dadurch durchsichtig, machen ihn gewissermaßen zu einem Sinnesorgan, zu einem Gesamtsinn, zu einem Totalsinn. Und indem wir so dazu gelangen, den ganzen menschlichen Organismus in einer gewissen Beziehung so selbstlos zu machen, wie es das Auge im menschlichen Organismus für das äußere Schauen ist, machen wir den menschlichen Organismus fähig, hineinzuschauen in die übersinnliche geistige Welt, um sich selber in diese hineinzustellen. Denn ein Durchsichtig-Machen des menschlichen Organismus, das bewirken diese Übungen, von denen ich gesprochen habe.

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