Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Indem der menschliche Organismus in der schon angedeuteten Weise zu einem Sinnesorgan in einem höheren Sinne gemacht wird, kann der Mensch das, was sonst im Wollen schlummernd, schlafend ist, durchsichtig machen, kann dadurch hineinschauen in die geistige Welt und jetzt dasjenige kennenlernen, was er im Schlafzustande an Wollungen nicht schauen kann, weil unser eigener Organismus undurchsichtig ist. Dieses Wollen in der geistigen Welt wird durchsichtig, und wir schauen dann auf das Denken des gewöhnlichen Bewusstseins, indem wir erkennen lernen das erkraftende Denken, das den Menschen aufbaut und hereinwirkt aus einer geistigen Welt, indem es übernimmt, was der Mensch durch die Vererbungskräfte durch die Geburt erhält. Was der Mensch auf diese Weise als Wachstumskräfte erhält, das kann angewendet werden als anschauende Kräfte in der Beobachtung und im Experiment, während sich das physische Experiment an die Sterbekräfte wenden muss. So sehen wir Geborenwerden und Sterben fortwährend wirksam in der menschlichen Natur. Und indem wir so den Tod nicht nur beschränkt sehen auf jenen einen Moment des menschlichen Lebens, sondern indem wir ihn in seinen einzelnen [Grundelementen] ausgebreitet sehen über das ganze Erdendasein, stellen wir ihm das entgegen, was immerzu diesen Tod bekämpft und was, wenn wir es durchschauen, erkennen lässt, wie der Mensch in einem ewigen Dasein lebt, das durch Geburt und Tod unveränderlich, unverweslich - möchte man sagen - hindurchgeht.
Cite:
GA 80a/1922-01-26/p040 · edition original