{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-05-16/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir sprechen als Menschen von Schwierigkeiten, in die wir uns versetzt fühlen, wenn die Rätselfragen gegenüber der geistigen Welt auftauchen, wenn wir von solchen Schwierigkeiten sprechen, so können sich diese Schwierigkeiten nicht beziehen auf das Vorhandensein einer geistigen Welt als solcher, mit der sich der Mensch in seinem irdischen Dasein verbunden fühlt. Denn der Mensch braucht sich ja nur auf sich selbst zu besinnen, und er lebt in einer geistigen Welt. Er steht durch seinen Geist erkenntnismäßig mit den Dingen seiner Umgebung, mit den Handlungen, die er selbst vollbringt, in Beziehung. Und selbst der stärkste Materialist leugnet ja nicht dieses Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt, insofern sich der Mensch seines Geistes im wachenden Zustande immerdar bewusst ist. Die Schwierigkeit beginnt erst dann, wenn der Mensch hinblickt auf das Wesen dieses Geistes, indem er doch eigentlich seine menschliche Würde, seinen wahren Menschenwert allein erblicken kann. Der Mensch muss sich ja gerade sagen: Ich habe den Geist. Das leugnet, wie gesagt, selbst der ärgste Materialist nicht. Er glaubt nur höchstens, dass dasjenige, was der Mensch als Geist in sich erlebt, ein Produkt, ein Geschöpf des materiellen Daseins sei. Und gerade weil sich der Mensch als Geist fühlt, weil er in diesem Geistigen seinen Wert und seine Würde empfindet, deshalb muss er fragen: Was ist dieses Wesen des Geistes, wie ist es begründet vielleicht in einer umfassenden geistigen Welt, die nicht dem Vergänglichen angehört, sondern die dem Vergänglichen gegenüber von Dauer ist? Damit deutet man — meine sehr verehrten Anwesenden — auf die inneren Seelenschwierigkeiten, in die sich der Mensch — ich möchte sagen — jeden Tag und jede Stunde versetzt fühlt, wenn er auf das Wesen seiner eigenen Geistigkeit blickt. Diese Schwierigkeiten, die Menschen bringen sie sich nicht immer im vollen Sinne des Wortes zum klaren Bewusstsein. Aber sie leben in den Untergründen der Seele, ob man sie nun erforscht oder nicht erforscht, sie leben in diesen Untergründen der Seele, strömen herauf in das bewusste Seelendasein, bilden Glück und Leid des innersten Menschenwesens, machen das innerste Schicksal des Menschen aus, bilden die Seelenstimmung und Seelenverfassung. Der Mensch findet sich so in die Welt hinein, er wird seinen Mitmenschen und der Welt in dem Maße nützlich, als er sich — wenn auch vielleicht unbewusst und naiv — aufklären kann über das Wesen des Geistes. Und aus vielen Untergründen herauf kommen die Rätselfragen in dieser Beziehung, und vieles könnte ich anführen, was da lebt in der Seele bewusst oder mehr oder weniger unbewusst.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und Geisteserkenntnis","site_heading":null,"date":"1922-05-16","location":null,"word_count":411,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-05-16/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-05-16/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-05-16/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}