Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p007 ·1922-05-16 · original (original)
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Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist der eine Feind, der gegenüber den Rätselfragen der geistigen Welt in der Menschenseele auftritt. Der andere Feind tritt vor allem vor diejenigen Seelen hin, welche sich in der modernen Weise in das wissenschaftliche Leben hineinbegeben. Sie lernen erkennen, wie man in gewissenhafter, methodischer — man möchte sagen — exakter Art das Denken ausbildet, um die Sinneserscheinungen bis zu ihren äußerlichen Gesetzen zu verfolgen, um sie mit Ideen zu durchdringen, durch die sie verständlich werden. Aber man merkt sehr häufig, gerade wenn man in gewissenhafter Art in dieser Weise in die Außenwelt sich hineinlebt, man merkt gerade dann, wie unser Denken durch diesen wissenschaftlichen Weg — ich möchte sagen — dünn wird, wie es nur angemessen wird nach und nach demjenigen, was eben die sinnliche Welt ist, und wie es in seiner Dünnheit gerade durch seine Gewissenhaftigkeit den Weg nicht hinauf finden kann von dem Sinnlichen in das übersinnliche Gebiet. Und dann beschleicht gerade diejenigen, welche in das Wissenschaftliche viel sich hineinbegeben, der Zweifel, der andere Feind des menschlichen Seelenlebens. Der Zweifel ist allerdings etwas, das zusammenhängt mit unserer Verstandes-Entwicklung und Verstandes-Erziehung. Aber wenn sich der Zweifel dem menschlichen Verstande ergibt, dann senkt er sich hinunter in die Seele, er senkt sich hinunter in das Gemüt. Gerade derjenige, welcher von den tieferen Erkenntnissen aus, welche Anthroposophie geben kann, nun den Zusammenhang des Gemütslebens mit dem leiblichen Erleben des Menschen erkennt, der weiß, wie dasjenige, was im Gemüte vorgeht, sich hineingießt in die Leiblichkeit und wie dasjenige — man muss es schon so ausdrücken —, was von dem Zweifel in das Gemütsleben hineinstürmt, wie das in dem Menschen zunächst hervorruft eine gewisse Schwindsucht des Seelenlebens, wie diese Schwindsucht uns — ich möchte sagen — bis ins Mark, bis in die Glieder, bis in die Muskeln hinein schwach machen kann, dass wir gerade durch den Zweifel untüchtig für unsere seelische, für unsere geistige und für unsere leibliche Tätigkeit werden können. Gerade indem das von der einen oder von der anderen Seite der modernen Kulturmenschheit erlebt wird, fühlen sich vielleicht die ärgsten Zweifler gerade gedrängt, Auskunft über das Geistige, über das Übersinnliche zu bekommen, dem sie sich nicht aus dem traditionellen Glauben heraus zuwenden wollen, wie die erste Art von Menschen, die sich dem Aberglauben hingeben. Da sie sich hinwenden wollen durch Erkenntnis dem übersinnlichen Gebiet, werden gerade wissenschaftliche Geister dazu geführt, das abnorme geistige Menschenleben zu studieren, das geistige Leben herabgestimmter Menschen, Medien, Menschen, die allerlei Halluzinationen haben. Man sieht: Etwas anderes geht in dem abnormen Leben vor sich als in dem normalen menschlichen Erkenntnis- und Willensleben, und man glaubt, aus diesem abnormen Leben, das aus dem Mediumismus herauskommt, das aus dem Visionären herauskommt, etwas über menschliche Fähigkeiten und seinen Zusammenhang mit einer anderen Welt in den Bereich des gewöhnlichen Bewusstseins hereinziehen zu können.

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