Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p008 ·1922-05-16 · original (original)
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Gerade derjenige, der auf anthroposophischem Boden steht, weiß, dass alle diese Ausgänge solche von pathologischem Gebiet, vom krankhaften Seelenleben sind. Das Seelenleben ist beim Medium krankhaft, weil sein Leibesleben in dem Momente, wo es eben als Medium wirkt, herabgestimmt sein muss. Diese Herabstimmung, die macht es zugleich unmöglich, dass der Mensch, der medial wirkt, dasjenige, was unmittelbare Erlebnisse seiner Seele sind, selber überschaut. Man kann dann nicht prüfen — auch nicht als äußerer Beobachter, der dann ja seinen gesunden Verstand haben mag, wenn er das Medium beobachtet -, man kann dann nicht darauf kommen, was eigentlich für eine Beziehung des Menschen, des Mediums, zu einer anderen Welt vorhanden ist, wenn man nicht darinnensteckt in diesem Erleben. Das Medium ist ja gerade herausgehoben, es ist mit seinem gesunden Menschenverstande abgelenkt von dem, was es uns in seinen medialen Zuständen darlebt. Immer können wir, wenn der Mensch zu Halluzinationen kommt, zeigen, wie diese Wurzeln in einem krankhaften Gebiete der menschlichen Leiblichkeit, und wie dasjenige, was da als andere Erlebnisse auftritt in der Seele, eben nur da sein kann aus diesem erkrankten Teile der menschlichen Organisation. So haben wir auch da nicht die Möglichkeit, jenen Übergang zu finden, den wir ja gerade suchen, von dem gesunden menschlichen Seelenleben zu einer Erkenntnis des übersinnlichen, des geistigen Gebietes. Denn überall fehlt, bei jedem Schritt fehlt die Kontrolle, wenn wir uns an das kranke Seelenleben wenden. Und so fühlen doch wiederum die meisten unserer Zeitgenossen, wenn es sich für sie um das Übersinnliche, um das Geistige handelt, sich gedrängt, an altehrwürdige überlieferte Vorstellungen sich zu halten, an dasjenige, was aus früheren Menschheitsepochen als Bekenntnisinhalte, als Weltanschaungsinhalte in unsere Zeit herauf sich entwickelt hat.

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