Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p009 ·1922-05-16 · original (original)
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Man neigt dann zu diesen Weltanschauungsinhalten, die bis in unsere Philosophien hineingehen - die Menschen glauben gar nicht, wie das selbst in den Philosophien der Fall ist, die von manchem so starken Denker für vorurteilslos gehalten werden, das sie aber nicht sind —, man hält sich, wie sie sagen, mit dem Glauben an dasjenige, was sie mit dem Wissen, mit der Erkenntnis nicht erreichen können. Und man ist ja heute schon so weit gekommen, alle möglichen künstlichen Begriffe zu konstruieren, um den Glauben zu rechtfertigen als etwas, das da selbstständig stehen muss gegenüber der Erkenntnis, gegenüber dem Wissen, das sich nur auf unser Sinnliches oder dergleichen richten soll, während allein der Glaube sich richten dürfe auf das Übersinnliche. Man nimmt aber wieder dieses Übersinnliche aus dem, was traditionell überliefert ist und was in den Menschen hineinwirkt mit der Stärke, mit der das oftmals auch heute der Fall ist, durch sein ehrwürdiges Alter. Sieht man aber unbefangen hin auf dasjenige, was der Mensch in Bekenntnissen, in Weltanschauungen, die geschichtlich überliefert sind, was er in ihnen hat, kann man das verfolgen in richtiger Geschichte — nicht in der Geschichte bloß, die heute anerkannt ist, sondern in einer von Psychologie, von Seelenkunde durchdrungenen Geschichte —, dann kommt man zu älteren Epochen der Menschheitsgeschichte. Da sieht man, dass dasjenige, an das man heute glauben will, das man hinnimmt, als Idee hinnimmt in seinem Wirken auf die Empfindungswelt, dass das in älteren Epochen der Menschheit ehemals durchaus hervorgegangen ist aus Erkenntnissen, die der einzelne Mensch aus seinem Wissensbedürfnisse heraus auf Wegen, die ihn in das Übersinnliche hineinleiten sollten, sich errungen hat. Alles, was heute irgendwo als Glaubensinhalt gerechtfertigt ist, geht nämlich in Wirklichkeit zurück auf alte Erkenntnisinhalte.

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