Anthroposophie und Geisteserkenntnis
Ich möchte zuerst charakterisieren dasjenige, was man das uralte, im Oriente einstmals heilige, jetzt aber in Verderbnis übergegangene Yoga-Erkenntnissystem nennt. Das Yoga-Erkenntnissystem, das führt — ich möchte sagen — zu seiner Art Gelehrsamkeit, zu seiner Art Erkenntnis einer anderen Welt. Worin bestand das Wesentliche dieses Yoga-Systems? Ich möchte die Eigenschaft anführen, die heute, wenn sie ausgeführt wird, bedenklich ist — damals war sie nicht bedenklich, aber so, wie sie heute ausgeführt wird, ist sie bedenklich —, weil sie nicht mehr der heutigen menschlichen Natur angemessen ist, weil sich die menschliche Natur verändert hat seit den Zeiten, in denen die Yoga-Übung ausgeführt worden ist. Dasjenige, was dazumalen durchaus ohne Schädigung der Menschennatur vollzogen werden konnte, und in uralten Zeiten — sagen wir — des Indertums vollzogen wurde, das kann heute insbesondere von dem westlichen Menschen ohne Schädigung seines Leibes und seines Geistes eben nicht vollzogen werden. Aber wir wollen uns daran verständigen. Das Wesentliche und rein Wesentliche neben anderem an dem Yoga-Üben ist ein verändertes Atmen neben dem gewöhnlichen alltäglichen Atmen des Menschen.
Cite:
GA 80a/1922-05-16/p014 · edition original