Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p016 ·1922-05-16 · original (original)
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Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, mehr, als man heute glaubt, hat sich die Menschheit in Bezug auf ihr Seelenleben im Laufe der geschichtlichen Entwicklung verändert. Das, was heute — ich möchte sagen — unser ganzes Bewusstseinsheil ausmacht, das war in alten Zeiten ganz anders. Wir sehen heute in die Außenwelt hinein, indem wir — ich möchte sagen — in reinlicher Art die Farben durch den Sinn unseres Auges aufnehmen, wir hören durch den Sinn des Ohres die Außenwelt, nehmen die Töne in einer gewissen Reinheit auf, und ebenso ist es mit den anderen Sinnesempfindungen. So war es nicht in alten Zeiten der Menschheit. Wir begreifen die Sinne der älteren Menschheit nicht, wenn wir sagen, sie hätten sich phantastisch, wie es der Animismus möchte, in die Welt hineingeträumt. So war es nicht. Die älteren Menschen erlebten wie selbstverständlich dasjenige in sich aufstreben, was als ein lebendiges Geistig-Seelisches in der Außenwelt war, und indem sie hinschauten auf Blitz und Donner, auf die eilenden Wolken, auf den strömenden Wind, auf Quellen, Pflanzen und Tiere, auf alles dasjenige, was den Menschen in der äußeren Natur umgab, sahen sie nicht nur wie wir heute eine farbige, warme, kalte oder sonst wie sinnlich geartete Welt. Nein, sie sahen eine Welt, in der jeder Quell durchzogen war vom Geistig-Seelischen, in jedem Windhauch, der sie umspielte, in den Sternen, in Sonne und Mond fühlten sie, wie sich ausdrückte Geistig-Seelisches. Es war den Menschen ebenso natürlich, dieses Geistig-Seelische zu sehen, wie uns es natürlich ist, die Farben zu sehen, die Töne zu hören. So war das gewöhnliche Erleben für die Menschheit, die die Umgebung des Yogi bildete. Der Yogi wollte eine andere Welt als diese gewöhnlich erlebte. Deshalb unternahm er die Übungen, die ich eben geschildert habe, und indem er durch diese Übungen — ich möchte sagen - den bewussten Atemstrom durch sein Denken trieb, machte er aus seinem Denken etwas ganz anderes.

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Cite: GA 80a/1922-05-16/p016 · edition original