Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p021 ·1922-05-16 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Ebenso verhält es sich mit dem alten Askeseweg. Was tut der Asket im alten Sinne des Wortes? Er stimmt seine leiblichen Funktionen herab, er lähmt sie in einer gewissen Weise herab. Sein physischer Organismus sollte weniger tätig sein in jenen Zeiten, in denen ihm eine höhere Erkenntnis aufgehen sollte, als er sonst tätig ist, als wenn er sich äußerlich dem robusten Leben hingibt. Da erlebt dann derjenige, der nach einem höheren Leben strebt, der erlebt durch diese Herabstimmung der leiblichen Funktionen, dass er einsieht: Ja, für das Leben, das wir äußerlich führen, taugt dieser Leib, den wir an uns tragen, dem ist er angemessen, und wir dürfen uns eigentlich keinen anderen Leib wünschen, deshalb auch keine Herabstimmung der leiblichen Funktionen. Wollen wir aber hineinschauen in die geistige Welt, dann ist dieser Leib, der für die sinnliche Welt konstituiert ist, ein Hindernis. Stimmen wir ihn herab, machen wir ihn weniger tätig, als er im gewöhnlichen Leben ist, dann schaffen wir das Hindernis hinweg, und die übersinnliche Welt strömt in unser Bewusstsein herein. Das erlebten einfach die Alten: Der Leib ist ein Hindernis für die Erkenntnis höherer Welten. Wiederum war es so, dass, indem der Mensch in der Askese den physischen Leib zu Schmerzen und Leiden herabstimmte, um dadurch mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen, er in ein inneres Erleben hineinkam, das ihn wegbrachte aus der robusten äußeren Welt in die Einsamkeit, in die Einsiedelei. Da heraus konnte er erkunden manches, was dann tief sich hineinsenkte in die menschliche Seele, wenn es sich darum handelte, dass die Seele wissen wollte: Wie hänge ich zusammen mit den geistigen Welten, wie finde ich gerade das Glück meines Gemütes?

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/80a/1922-05-16/p021.json
Cite: GA 80a/1922-05-16/p021 · edition original