Anthroposophie und Geisteserkenntnis
Wohin gelangen wir aber, indem wir solche Übungen machen, die sich intim an den menschlichen Gedanken wenden? Dadurch gelangen wir dazu, dasjenige, was wir heute überhaupt durch Geburt und Erziehung als unser gewöhnliches Denken haben, in seiner Abstraktheit, in seiner Totheit — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu durchschauen. Wir gelangen dazu, das Denken wesentlich zu verlebendigen, während der altindische Yogi — ich möchte sagen — von einer gewissen Lebendigkeit des Denkens ausging, von der er sich hinwegbegab zu dem abstrakten Denken, zu demjenigen Denken, das wir haben wie als Selbstverständlichkeit des Lebens. Da erlebte er das Selbst. Nun, wir haben dieses Selbst durch Geburt und Erziehung, wir müssen, indem wir das Denken, nicht das Atmen, ergreifen, dieses Denken beleben. Dadurch aber kommen wir darauf, das gewöhnliche Denken gerade als das Abstrakte, als das Tote zu empfinden und zu einem lebendigen Denken durch innere Übungen überzugehen.
Cite:
GA 80a/1922-05-16/p025 · edition original