Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p027 ·1922-05-16 · original (original)
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Und nun möchte ich Ihnen gerade an modernen Bewusstseinsformen charakterisieren, wohin wir kommen, wenn wir dieses lebendige Denken uns aneignen. Ich weise auf etwas hin, was jedem heutigen Menschen naheliegt. Wir machen uns klar, wenn wir nur irgendeinen Zusammenhang haben mit den heutigen Weltanschauungen, wir machen uns klar, wie ein sogenanntes höheres Tier beschaffen ist, wie seine Funktionen, seine leiblichen Vorgänge wirken, wir bilden uns in Gedanken ein inneres Bild von diesem höheren Tier. Dadurch vergegenwärtigen wir uns das Wesen dieses Tieres. Dann aber wenden wir uns vielleicht herüber zu dem Menschen. Wir bilden uns wieder mit all dem Material, das uns heute die Wissenschaft liefert — später wird es noch vollkommener werden, aber im Prinzip nicht anders, solange das Denken nur als Abstraktes angewendet wird, so wie es heute zur Erforschung der Naturgesetze angewendet wird —, wir machen uns von dem Menschen ein Bild, von der Knochengestaltung, der Gestaltung seiner Muskeln, der Gestaltung seiner übrigen Organe, von dem Ineinanderweben, dem Ineinanderfließen seiner inneren leiblichen Vorgänge. Dann vergleichen wir das Bild mit dem Bilde, das wir uns an höheren Tieren vergegenwärtigen und wir finden eine gewisse Verwandtschaft. Je nachdem wir mehr oder weniger materialistisch denken, stellen wir uns vor, dass der Mensch dann wie physisch hervorgeht aus dem höheren Tier. Wenn wir mehr idealistisch oder spirituell denken, so stellen wir uns diese Verwandtschaft anders vor. Aber wir sehen hin, indem wir uns die Idee des höheren Tieres auf der einen Seite und die Idee des Menschen auf der anderen Seite bilden und sie vergleichen, wir bilden uns durch diese Vergleichung etwas aus, was uns dann zur Weltanschauung über unsere Umwelt werden soll. Aber jetzt stellen wir uns eine Frage, die uns interessieren kann. Welch ein Unterschied ist zwischen dem Denken, mit dem man vergleicht den Begriff von dem höheren Tier mit dem Begriff von dem Menschen, wie man ein höheres Tier mit einem niederen Tier, das niedere Tier mit einer Pflanze äußerlich vergleichen kann. Stellen wir uns die Frage: Welch ein Unterschied ist zwischen diesem toten abstrakten Denken und jenem lebendigen Denken, das man sich aneignet durch die modernen Erkenntnisübungen für die übersinnliche Welt?

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