Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p033 ·1922-05-16 · original (original)
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Derjenige, der, wie ich es geschildert habe, an den Dingen der Außenwelt den Gedanken bildet, der selbst lebendig ist, der kann nicht einen Schritt machen mit diesem lebendigen Gedanken, ohne dass er innerlich seelisch Schmerz empfindet, in einer gewissen Weise Leid. Und jetzt beginnt, indem dieser lebendige Gedanke als Leid, als Schmerz empfunden wird — nicht zunächst im Leiblichen, dahin kann es sich nur fortpflanzen —, jetzt beginnt etwas, was man als wirklichkeitsvoll empfinden kann. Derjenige, der kennenlernt, wie im modernen Sinne höhere Erkenntnis errungen werden kann nur durch den Durchgang durch Leid und Schmerz, der wird Ihnen immer eines sagen auch von seinem gewöhnlichen Leben; er wird sagen: Was ich als Glück, was ich als Freude, was ich als gutes Schicksal erlebt habe, ich bin meinem Schicksale dankbar. Was ich an Leid, an Schmerz, an Enttäuschungen und Entbehrungen im gewöhnlichen Leben gehabt habe, dem verdanke ich das bisschen Erkenntnis, das ich errungen habe. Und dass ich mir so Erkenntnis errungen habe durch die gewöhnlichen Schmerzen, Enttäuschungen, die mir das Leben gegeben hat, dadurch habe ich eine Vorschulung durchgemacht für dasjenige, was erlebt werden muss, wenn der lebendige Gedanke eben als die lebendige Geistigkeit die Seele erfüllt, deshalb auch lebendig in der Seele ist, deshalb auch die Seele treibt zu Leid und Schmerz.

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Cite: GA 80a/1922-05-16/p033 · edition original