Anthroposophie und Geisteserkenntnis

GA 80a/1922-05-16/p035 ·1922-05-16 · original (original)
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Wir können nun für uns selber geistige Ergebnisse suchen, und wir brauchen uns mit alledem nicht vom Leben zurückziehen in die Einsiedelei. Wir können uns hineinstellen ins Leben, unsere äußere Körperlichkeit führen wir nicht zur Askese, unsere äußere Körperlichkeit bleibt, wie sie ist, sie kann sich daher auch dem äußerlichen Leben robust gegenüberstellen, kann alle die Anforderungen erfüllen, die das heutige Leben an den modernen Menschen stellt. So können wir eine Erkenntnis der geistigen Welt schaffen, indem wir darin stehen bleiben in dieser Welt, in der der moderne Mensch einmal darinnen stehen bleiben muss. Dann aber, wenn wir solche Erkenntnisse schaffen, dann tritt uns allerdings der Mensch in einer anderen Weise entgegen, als er uns entgegentritt, wenn wir ihn bloß mit den sinnlichen Augen anschauen. Gewöhnlich nehmen wir nur von dieser Menschengestalt die äußerliche Körperlichkeit wahr. Derjenige, der sich zu den beweglichen, lebendigen Gedanken durchgerungen hat, der schaut nun nicht bloß diese äußere sinnliche Menschengestalt, der schaut etwas, was geistig-seelisch an dieser Menschengestalt ist, ein Aurisches, eine geistig-seelische Aura. Nur so ist das Wort «Aura» in diesem Sinne zu verstehen, nicht in irgendeinem abergläubischen Sinn. Man schaut das Aurische, in das die Menschengestalt eingebettet ist, aber man erkennt in dieser Aura nicht nur dasjenige, was äußerlich im Raume vor einem steht, sondern man schaut hin auf dasjenige, was der Mensch schon war in seinem Geistig-Seelischen, bevor er heruntergestiegen ist aus einer geistig-seelischen Welt. Man lernt den Menschen durch sein aurisches Wesen, das sich solcher Anschauung ergibt, wie ich sie charakterisiert habe, als geistig-seelisches Wesen kennen, und man lernt zurückschauen in die geistig-seelische Welt, in seine Präexistenz, in das Leben, das er hatte, bevor er sein irdisches Leben angetreten hatte. Und man lernt nicht nur in solcher Abstraktheit wissen, dass der Mensch wahrhaftig gelebt hat vor seiner Geburt in einer geistig-seelischen Welt, man lernt auch das Konkrete dieses geistig-seelischen Menschenwesens, das heißt unser Selbst kennen, wie wir durch die sinnliche Anschauung die äußere Welt kennenlernen.

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Cite: GA 80a/1922-05-16/p035 · edition original