2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
So, möchte ich auch sagen, kann man versuchen, innerhalb der modernen Wissenschaft, wie sie sich in den letzten drei bis vier Jahrhunderten herausgebildet hat, immer weiter und weiter zu gehen. Sie wissen ja wohl, dass ernste, gewissenhafte Forscher dieses immer Weiter- und Weitergehen der Wissenschaft anstreben, und dass gerade außerordentlich gewissenhafte Forscher — das soll anerkannt werden — dann davon sprechen, dass man an unübersteigliche Grenzen der menschlichen Erkenntnis kommen müsse. Aber auf der anderen Seite [werden], wenn man an diese Grenzen kommt, allerlei Annahmen gemacht von einer Atom-, von einer Molekülwelt und so weiter und so weiter. Man setzt voraus, wenn man methodisch im Laboratorium arbeitet, wenn man in der Klinik forscht, wenn man am astronomischen Observatorium die Weltengeheimnisse ergründen will, dass man irgendwie durch das Meer der wissenschaftlichen Methode ankommen müsse bei irgendetwas, was entweder eine unübersteigliche Grenze ist oder was doch in einer gewissen Weise ähnlich ist dem schon Bekannten. Wie Kolumbus gewissermaßen voraussagte, dass er etwas schon Bekanntes finden müsse, so setzt man auch in der Wissenschaft voraus, dass man irgendetwas Bekanntes finden müsse. Die Moleküle und Atome sind ja zuletzt doch nichts anderes, als, ich möchte sagen ins Kleinste zu dringen, in dasjenige, was man auch mit gewöhnlichen Augen sieht, Sinn zu bringen.
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p005 · edition original