{"corpus":"steiner","locus":"GA 80b/1921-01-28/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Um diesen Ausgangspunkt in intellektueller Bescheidenheit zu charakterisieren, möchte ich folgenden Vergleich wählen. Nehmen Sie an, ein fünfjähriges Kind bekäme einen Band Goethe’scher Lyrik in die Hand. Was wird es tun mit dem Band Goethe’scher Lyrik? Es würde ihn vielleicht zerreißen oder irgendwie damit spielen, jedenfalls aber nicht dasjenige damit tun, wozu der Band Goethe’scher Lyrik da ist eigentlich, was man tun kann, wenn man in anderer Verfassung ist nämlich als in derjenigen, in der das Kind sein wird, wenn es zehn oder fünfzehn Jahre älter geworden ist. Da wird es etwas anderes tun mit dem Band Goethe’scher Lyrik als mit fünf Jahren. Was ist der Grund davon? Der Grund dafür ist kein anderer als der, dass das Kind inzwischen seelisch entwickelt worden ist, aus seinem Inneren heraus seelisch entwickelt. Das Kind ist nun fähig, weil es diejenigen Eigenschaften entwickelt hat, die es mit fünf Jahren eben noch nicht hatte, nunmehr etwas zu entdecken, was in dem Bande Lyrik auch vorher schon war, als das Kind fünf Jahre alt war. Er war ganz derselbe vor den Augen des Kindes äußerlich, wie vielleicht, wenn das Kind zwanzig Jahre alt ist. Allein dadurch, dass im Innern des Kindes etwas erfolgt ist, dass aus dem Innern des Kindes etwas herausgeholt worden ist, rein dadurch behandelt das Kind alles, was es jetzt macht mit dem Bande Goethe’scher Lyrik, ganz anders.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut","site_heading":null,"date":"1921-01-28","location":null,"word_count":226,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1921-01-28/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1921-01-28/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80b/1921-01-28/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}