2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
Das ist nämlich die Methodik, wie Goethe sie hatte bei seinen Forschungen, dass er, obwohl er eigentlich kein Mathematiker ist, er eigentlich so forschen möchte auf dem Gebiete der Natur, dass er jedem strengen Mathematiker über seine Methode Rechenschaft abgeben könne. So macht es auch der Geisteswissenschafter. In der Mathematik lebt man in durchschaubaren Vorstellungen. Man beschreibt nicht den pythagoreischen Lehrsatz in nebuloser Mystik; man hat alles dasjenige vor sich, was man zusammenschauen will, um zuletzt zu diesem pythagoreischen Lehrsatz zu kommen. In solch innerer, lichtvoller Klarheit müssen jene Vorstellungen vor der Seele stehen, die man dauernd macht. Ich nenne dieses Ruhen auf solchen Vorstellungen «Meditieren», und bitte Sie, sich nichts anderes unter diesem Meditieren vorzustellen als erstens: Dieses Ruhen auf leicht überschaubaren Vorstellungen, die nichts Nebuloses haben können. Sie werden umso weniger Nebuloses haben, je mehr man sich durch eine gewisse innerliche Seelenerfahrung die Fähigkeit verschafft, solches Nebuloses und Unterbewusstes gleich zu erkennen, wenn es auftritt.
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p021 · edition original