2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
Auf Namen kommt es nicht an - meine sehr verehrten Anwesenden —, dasjenige, was man da alles wahrnehmen kann, das muss ja auch einen Namen haben. Das habe ich in meinen Büchern die «Akasha-Chronik» genannt, weil tatsächlich dies etwas mit Chronikartigem zu tun hat. Wie die Erinnerung selbst es mit etwas Chronikartigem zu tun hat, so hat dasjenige, was uns da hinausführt, wie sonst die Erinnerung nur in das gewöhnliche Leben, in das Leben der Welt. Deshalb kann man, ich möchte sagen, wenn man das Geistige einfach als «Äther» oder «Akasha» bezeichnet, von einer «Äther-Chronik», von einer «Akasha-Chronik» sprechen. Es ist durchaus nicht etwas Mystisches oder dergleichen mit diesem Worte gemeint. Ebenso wenig ist dieses Wort irgendwie mystisch gemeint, als etwa die Gesamtheit der Geometrie mystisch gemeint ist. Es lässt sich durchaus mit der Gesamtheit der Geometrie, die allerdings nicht für Zeit, sondern für den Raum gilt, vergleichen. Daher kann man die Geometrie keine Chronik nennen. Aber dieses kann durchaus so aufgefasst werden. Die Dinge, die hier gemeint sind, dürfen nicht herausgerissen, sondern im Zusammenhange nur betrachtet werden. Wenn man sie so betrachtet, wird man finden, dass sie etwas ganz anderes eigentlich bedeuten, als in dem liegt, was einem erscheinen kann, wenn man sie aus dem Zusammenhange herausreißt. Es handelt sich nirgends um nebulose Mystik, sondern überall um das Hervorkommen aus den Quellen des seelischen Daseins, das man Stück für Stück verfolgen kann, und zwar so verfolgen kann, dass die einzelnen Stücke wie mit mathematischer Klarheit vor der Seele stehen.
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p040 · edition original