2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
Die zweite Seelenfähigkeit — meine sehr verehrten Anwesenden —, die auszubilden ist, damit man aber nun nicht bloß Bilder habe, denn alles dasjenige, was ich Ihnen bis jetzt schilderte, sind im Grunde genommen bloß Bilder. Man weiß, wie bei den Erinnerungsbildern, dass sie vom Leben handeln, aber man hat das Leben nicht. Man weiß durchaus, dass man in keiner phantastischen Welt lebt. Man hat Imaginationen, Imaginationen eines Wirklichen, aber man steht nicht in diesem Wirklichen drinnen. Um in diesem Wirklichen drinnenzuleben, um nun auch unmittelbar dieses Erleben des Geistig-Wirklichen zu haben, dazu ist notwendig, dass man gerade die Kraft erlebt, die sonst nur an unsere menschliche Organisation gebunden ist, die uns, indem sie uns im Leben entgegentritt, immer mit einem guten Stück Egoismus ausstattet, dass wir diese Fähigkeit immer weiter und weiterentwickeln, sodass wir in der Tat dahin kommen, allmählich die Dinge so anzuschauen, dass wir uns dabei völlig vergessen können, ganz und gar hineinversenken können in jedes einzelne Ding, auch in jedes einzelne Wesen. Das ist notwendig, dass man gerade diese Fähigkeit immer mehr und mehr ausbildet.
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p041 · edition original