2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut

GA 80b/1921-01-28/p045 ·1921-01-28 · original (original)
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Ich weiß, wie viel dem Wissenschafter entgegensteht, wenn er die Liebefähigkeit selber als eine Erkenntniskraft ansehen soll. Der Wissenschafter verlangt geradezu, dass dasjenige, was im Wissenschaftlichen objektiv gelten soll, nur ja mit Ausschluss der Liebe erlangbar sein soll. Dadurch aber gerade gelangt er an Grenzen des Erkennens. Diese Grenzen des Erkennens ergeben sich aus dem Grunde, weil man nicht hineingeht in das Innere der Dinge mit dem seelischen Erleben, weil man haltmacht und allerlei herausphantasiert, allerlei Moleküle und Atome. Erlebt man durch die gesteigerte Liebekraft dasjenige, was einem an der Oberfläche der Dinge entgegentritt, und erlebt man dann dasjenige, was man durch die gesteigerte Erinnerungsfähigkeit in Bildern haben kann, dann weiß man, wo Bilder aus dem [gesteigerten] Untergrund des Daseins heraufkommen. Denn man kann vergleichen, was man schaut im Bilde, mit demjenigen, in das man dann mit dem Erleben untertaucht. Und man übt gewissermaßen sich — wenn ich diese Ausdrücke in dieser Weise so einfach verwenden will — ständig im Sein, wie man sonst einatmet und ausatmet. Das ist dasjenige, was einen wirklich in die geistige Welt hineinführt, was einen kennenlernen lässt, was dem menschlichen Wesen eigentlich zugrunde liegt.

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