2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut
Ich habe selbst noch jene Epoche erlebt — meine sehr verehrten Anwesenden —, jene Epoche der Wissenschaft, gerade in einer dazumal bedeutendsten medizinischen Fakultät, wo die Kapazitäten nur so sich aufgestaut haben - Oppolzer, [Rokitansky] und so weiter. Ich habe es selbst erlebt, wie jene merkwürdige therapeutische Richtung da aufgetaucht ist, die man dazumal medizinischen Nihilismus genannt hat. Dieser medizinische Nihilismus, er herrscht heute nicht mehr in demselben Grade, wie er dazumal geherrscht hat, als ich jung war —- es ist jetzt lange her —, aber das, was dazumal als medizinischer Nihilismus aufgetaucht ist, sprach der Medizin damals die Fähigkeit ab, überzugehen von der pathologischen Untersuchung des Krankheitsbildes zum Heilprozess, zur Therapie. Eine Brücke wollte man nicht finden zwischen der Pathologie und einer wirklichen Therapie. Das kann man auch nicht finden, wenn man mit der bloßen äußeren Naturwissenschaft vorgeht. Man kann das in ganz populärer Weise klarmachen, warum man das nicht finden kann.
Cite:
GA 80b/1921-01-28/p047 · edition original