{"corpus":"steiner","locus":"GA 80b/1921-01-28/p077","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zweitens: Aus den Ausführungen des Herrn Dr. Steiner haben wir erfahren, dass derjenige, der zu den höchsten Stufen hinaufstreben will, in weitgehender Hingabe einem geistigen Leiter sich hingeben müsse, dass er nicht vollständig aus sich selbst schöpfen kann. Das scheint mir von meinem Standpunkt als protestantischer Theologe aus ein klein wenig eine ernste Sache zu sein. Denn mit einer zu weit gehenden Hingabe an eine Persönlichkeit verbinden sich bekannterweise immer zwei Gefahren. Entweder wird der, der sich zu sehr an seinen Leiter hingibt, geistig unselbstständig und träge, und er ist nicht mehr sicher, was seine eigene Überzeugung ist oder was ihm mehr in seine Seele gelegt worden ist, auf suggestivem Wege in seine Seele hineingelegt worden ist. Und auf der anderen Seite ist für den, der das weitgehende Vertrauen eines Zweiten genießt, eine mächtige Versuchung vorhanden, der nur ganz hochentwickelte, nur seelisch ganz hochstehende Persönlichkeiten widerstehen können: Nämlich die Versuchung, dass er sich freut über die Macht, die er über den andern gewonnen hat, und dann leicht in allem einen zu weitgehenden Einfluss auf ihn ausüben könnte. Das soll natürlich keineswegs die Meinung haben, dass ich etwa in dieser Beziehung dem Herrn Vortragenden, der so ausgezeichnet zu uns gesprochen hat, ein Misstrauen entgegenbringen würde. Aber es ist durch die Weltgeschichte, auch wenn man sie in einer gewissen Weise nur überschaut, wie ich sie überschaue, erwiesen, dass hier eine gewisse Gefahr liegt, der gegenüber wir vorsichtig sein müssen und auf das wir aufmerksam sein müssen, wenn wir den oder jenen von unseren Bekannten aufmuntern wollten, dass er sich für Geisteswissenschaft interessiere. Ich konstatiere im Übrigen gern, dass das, was Herr Dr. Steiner in Bezug auf seine religiöse Auffassung heute Abend gesagt hat, für mich persönlich in hohem Maße wohltuend gewirkt hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"2. Die Anthroposophie als Erkenntnis- und Lebensgut","site_heading":null,"date":"1921-01-28","location":null,"word_count":290,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1921-01-28/p077","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1921-01-28/p077"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80b/1921-01-28/p077","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}