Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
Meine sehr verehrten Anwesenden! Gestern erlaubte ich mir, im Allgemeinen zu sprechen über die Aufgaben des Goetheanums in Dornach, und ich denke, dass aus den gestrigen Ausführungen hervorgegangen ist, wie diejenige geisteswissenschaftliche Richtung, die in diesem Goetheanum gepflegt wird, nichts zu tun hat mit irgendeiner sektiererischen, auch nichts zu tun hat etwa mit dem Versuch einer neuen Religionsgründung oder dergleichen, sondern dass sie steht durchaus auf dem Boden einer wissenschaftlichen Weltanschauung, einer solchen wissenschaftlichen Weltanschauung, welche durchaus rechnen will mit den Fortschritten des modernen naturwissenschaftlichen Erkennens, welches gewissermaßen fortwährend sich innerlich Rechenschaft ablegen will in der Richtung, dass ihre Methoden, dass die ganze Art ihres Forschens in der Richtung wohl liegt, welche die neuere Erkenntnis anstrebt, aber die zu gleicher Zeit in einem gewissen Sinne die letzten notwendigen Konsequenzen dieser neuzeitlichen Forschungsrichtung zieht. Insbesondere zeigt sich dieses dann, wenn man auf spezielle Fragen der Menschenseele, der Welterkenntnis eingeht, und auf eine solche spezielle Frage gestatten Sie mir heute einzugehen. Allerdings werde ich nur, da ich gerade mit dieser Frage ein sehr weites, ausgebreitetes Gebiet betrete, werde ich nur einzelne Andeutungen geben können. Allein ich werde versuchen, diese Andeutungen so zu geben, dass sie in einer gewissen Beziehung beleuchten gerade dasjenige, was mit den Aufgaben des Goetheanums in Dornach in einem weiteren und engeren Sinne zusammenhängt.
Cite:
GA 80b/1921-02-01/p003 · edition original