Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
Wie wir das Rot, das Blau, das G, das Cis aus den sinnlichen Wahrnehmungen schöpfen, den Gedanken aber innerlich aktiv dazu bringen, sodass wir es selbst sind, die im Gedanken arbeiten, so war für den Griechen dieses innerliche aktive Arbeiten noch nicht da. Er entnahm ebenso wie wir den sinnlichen Wahrnehmungen — ebenso wie wir das Rot und Grün, das G und Cis der Sinneswahrnehmung —, so entnahm er auch die Wahrnehmungen von der äußeren Welt. Für ihn löste sich die Gedankenwahrnehmung noch nicht los von der äußeren Welt. Er hatte noch nicht jene Selbstständigkeit im Erfassen jenes menschlichen Selbstes, das erst im Laufe der Menschheitsentwicklung in der Art, wie es heute allgemein bekannt ist, heraufgezogen ist. Das Ich-Bewusstsein ist im Laufe der Zeiten im Wesentlichen verstärkt worden. Dadurch hat der Mensch in einer gewissen Weise sich losgelöst von der umgebenden Natur. Er ist dazu gekommen, in sich hineinzuschauen und im Innerlichen sich als etwas Selbsttätiges zu erfassen. Dadurch aber hat er sich gegenübergestellt der Natur, gewissermaßen sich aus der Natur herausgestellt, um dann das Innere der Natur wie etwas außer ihm Liegendes zu betrachten.
Cite:
GA 80b/1921-02-01/p020 · edition original