Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
Haller prägte ja das Wort: «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist, glückselig, wem sie nur die äuß’re Schale weist». Goethe, der da hörte immer wieder und wiederum von denjenigen, die so vor der Natur standen wie Albrecht von Haller, diese Worte wiederholen, man könne durch menschliche Erkenntnisse nicht in das Innere der Natur hineindringen, Goethe wandte ein dasjenige, was in seinem bekannten Gedichte an die «Philister» liegt, denn für ihn waren diejenigen, welche stehen bleiben bei den Worten: «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist», für ihn waren sie durchaus zu rechnen in die Kategorie der Philister, derjenigen Leute, welche das Innere ihrer Seele nicht in genügende Regsamkeit bringen wollen, um durch das so innerlich angezündete Licht dasjenige zu beleuchten, was sonst Inneres der Natur ist, und so das menschliche Seelenwesen hineinzuversetzen in das Innere der Natur. Goethe sagt ja darüber die wirklich eindringlichen Verse, indem er zitiert: «Ins Inn’re der Natur dringt kein erschaff’ner Geist».
Cite:
GA 80b/1921-02-01/p036 · edition original