Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
Und auf diesem Wege — meine sehr verehrten Anwesenden —- will fortschreiten dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist. Sie will ausbilden diese anschauende Urteilskraft Goethes, die so, wie sie Goethe vorstellt, noch in ihren Anfängen lag, zu demjenigen, was geschildert ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», was herausführen soll diejenigen Erkenntnisfähigkeiten des Menschen, die sonst nur latent, verborgen in seinem Inneren ruhen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, und die ihn dann zum Schauen führen, die ihn dazu führen, dass er so, wie er mit seinem sinnlichen Auge die Farben, das Helldunkel um sich herum sieht, so auch das Geistige wirklich anschaut. Ich habe schon gestern erwähnt, dass der Mensch, indem er durch gewisse intime Maßnahmen der Seele dasjenige, was sonst im gewöhnlichen Leben und in der Wissenschaft ja tief in der Seele unten verborgen bleibt, dass das der Mensch aus sich herausentwickeln kann, so wie sonst aus dem Kinde herausentwickelt wird dasjenige, was später eben dieses Kind zur Orientierung im Leben braucht, dass dadurch der Mensch zur höheren Erkenntnisstufe aufrückt — die ich nur dem Namen nach anführen will, ich habe sie oftmals von diesem Orte hier auseinandergesetzt —, dass der Mensch sich aufschwingen kann zu einer imaginativen Erkenntnis, zu einer inspirierten Erkenntnis, zu einer wahrhaft intuitiven Erkenntnis, dass er dadurch mit seinem Seelenwesen untertaucht in die äußere Natur. Ich möchte heute von einem besonderen Gesichtspunkte aus auf diese Erkenntnisentwicklung noch einmal hinweisen.
Cite:
GA 80b/1921-02-01/p039 · edition original