{"corpus":"steiner","locus":"GA 80b/1922-02-12/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Blicken wir nach dem Westen hinüber, so begegnet uns vor allen Dingen ein Denker, welcher auch in tiefgehender Weise seit fast einem Jahrhundert beeinflusst hat das mitteleuropäische und das osteuropäische Denken, ein Denker, der insbesondere auf die naturwissenschaftlichen Begriffe Mitteleuropas mehr Einfluss gewonnen hat, als man sich gewöhnlich bewusst ist. Es ist Herbert Spencer. Er betrachtet das menschliche Leben, und am interessantesten ist es, seine Lebensbetrachtung da anzufassen, wo er sie auf das Erziehungsproblem anwendet. Er frägt: Welches muss das eigentliche Ziel der menschlichen Erziehung sein? Und er kommt darauf — wie gesagt, ich will das nur einleitungsweise erwähnen, nicht ausführen —, er kommt darauf, zu sagen, das eigentliche Ziel der Erziehung müsse sein, richtige Eltern und Erzieher aus allen Menschen zu machen. Nun, dasjenige, was er so als Erziehungsziel hinstellt, mag uns heute vielleicht weniger interessieren, wohl aber der Grund, warum er gerade dieses Erziehungsziel als das seinige anerkennt. Er sagt: Die menschliche Entwicklung findet einen gewissen Abschluss in dem Augenblick, wo der Mensch fortpflanzungsfähig wird, wo der Mensch also eintritt in die Geschlechtsreife. Und wenn nun die Kraft, seinesgleichen hervorzubringen, das Höchste ist, das der Mensch im Lebenslaufe erreichen kann, so muss auch das höchste Ziel der Erziehung dieses sein, diese Nachkommen in der entsprechenden Weise zu erziehen und zu unterrichten. Und mehr aus dem ganzen Zusammenhang als aus dieser einzelnen Behauptung geht bei diesem westlichen Denker hervor, dass er eigentlich ein sicheres erkenntnismäßiges Betrachten des Menschen nur darinnen sieht, die natürlichen Vorgänge bis zu ihrem Gipfel, bis zur Hervorbringung des Gleichen zu verfolgen, dass er gewissermaßen alles dasjenige, was dann der Mensch gerade am bedeutsamsten anzustreben hat, nachdem er die Geschlechtsreife erreicht hat, dass er alle sogenannte geistige Entwicklung nur wie eine Art Überbau, nur wie eine Art Anhängsel, könnte man fast sagen, an die sichere natürliche Grundlage der enschenentwicklung ansieht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"5. Natürlicher Tod und geistiges Leben","site_heading":null,"date":"1922-02-12","location":null,"word_count":304,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1922-02-12/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80b/1922-02-12/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80b/1922-02-12/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}