5. Natürlicher Tod und geistiges Leben
Solowjow spricht nun auch über den menschlichen Lebenslauf. Und er sagt: Zwei Ziele müsse der Mensch haben im Leben. Das eine Ziel könne nur sein das Erstreben der Vollkommenheit durch immer weiteres und weiteres Vorrücken in der Erkenntnis der Wahrheit, das andere aber müsse sein, sich einzuleben in dasjenige, was dem Menschen die Unsterblichkeit gibt. Man möchte jetzt sagen: Nicht aus abstrakten Begriffen heraus, sondern aus dem Vollmenschlichen heraus redet Solowjow weiter, indem er sagt: Das Leben, das sich nur vervollkommnen würde in der Wahrheit, es wäre sinnlos, wenn ihm nicht die Unsterblichkeit zur Seite stünde, denn ohne die Unsterblichkeit wäre das Streben nach Wahrheit, nach Vollkommenheit in der Wahrheit, sinnlos, ein einfaches Verglimmen, ein Vergehen des Wesenhaften; das Nach-Wahrheit-Streben wäre sinnlos. Und eine Unsterblichkeit ohne das Streben nach Wahrheit wäre ebenso sinnlos; das Leben wäre ein Weltbetrug, ohne dass dem Wahrheitsstreben die Tatsache der Unsterblichkeit zur Seite stünde. Und aus solchen Gedankenuntergründen heraus spricht Solowjow scharf gerade gegen dasjenige — nicht Herbert Spencer bei dieser Gelegenheit erwähnend, aber dasjenige besprechend —, was Herbert Spencer als Ziel hinsetzt der Menschheitsentwicklung. Er sagt: Man nehme nur einmal an, dass diese Menschheitsentwicklung lediglich darinnen bestehen würde, dass die einzelnen Generationen weitere Generationen hervorbrächten, also das Gleiche immer das Gleiche; ein abrollendes Rad dieser Art wäre das Sinnloseste, was zu denken wäre.
Cite:
GA 80b/1922-02-12/p009 · edition original