5. Natürlicher Tod und geistiges Leben
Sehen wir doch hin — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie sich der Tod im natürlichen Dasein gerade des Menschen äußert; und ich bemerke ausdrücklich: Ich werde heute nur sprechen über den menschlichen Tod, nicht über die Arten des Todes, wie wir sie etwa verfolgen können in der Tierwelt und sogar bis in die Pflanzenwelt hinunter. Innerhalb der Menschenwelt — wie tritt uns der Tod entgegen? Er schließt sich in einem gewissen Sinne zusammen in einen einzigen Augenblick — eben in den Augenblick des Lebensabschlusses —, und das macht ihn so rätselhaft. Wir durchleben unser Leben, wir erfreuen uns dieses unseres Lebens, genießen es, wenden es an im äußeren Menschheits- und Weltengebiete, und werden uns in diesem Erleben des Daseins zunächst des Todes unmittelbar nicht bewusst, sondern nur bewusst eben wie eines Rätsels über eine Tatsache, dass dieses Leben, wie wir es alltäglich leben, eben beschließt.
Cite:
GA 80b/1922-02-12/p014 · edition original