5. Natürlicher Tod und geistiges Leben

GA 80b/1922-02-12/p021 ·1922-02-12 · original (original)
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Ist denn nicht dasjenige, dem sich die gewöhnliche Erkenntnis hingibt, auch etwas Lebensabgewandtes, wenn wir uns in der gewöhnlichen robusten Weise dem Leben hingeben, wenn wir vom Morgen bis zum Abend nur unter Anstrengung unseres physischen Leibes in der Welt unser Dasein hinleben? Es kann dadurch nicht dasjenige zustande kommen, was wir auch im gewöhnlichen Leben Erkenntnis nennen. Die feineren Begriffe, die intimeren Zusammenhänge über die Welt, die durch die Erkenntnis gesucht werden, sie [hängen] ab — zunächst in formeller Weise ab - von der äußeren, robusten Art des Lebens. Man muss sich gewissermaßen an einen Ort des Daseins zurückziehen im Erkennen, der abseits von dem äußeren Leben liegt. Und dennoch, man muss zugeben, dass durch dasjenige, das man an diesem abseitigen Orte in inniger Weise erkundet, indem man beobachtet, experimentiert, und dadurch auch mit der Beobachtung, mit dem Experiment aus dem gewöhnlichen Daseinslaufe hinweggeht, dass dadurch gerade Licht in das Leben hineinkommt; dass also Licht in das Leben hineinkommt von etwas, das sich vom Leben zurückzieht. Könnte es denn nicht auch so sein, dass zwar die rätselvolle Traumeswelt zunächst für das äußere, robuste Leben bedeutungslos wäre, dass sie aber gerade in ihrer Abseitigkeit, und zwar in einer Abseitigkeit in einem höheren Sinne als es die gewöhnliche Erkenntnis ist, dass sie gerade dadurch auf das Leben in seinem Wesen hinweise?

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