5. Natürlicher Tod und geistiges Leben
Und darin liegen die Gründe, warum Anthroposophie nicht bloß über anderes, sondern auch anders reden muss als die gewöhnliche Wissenschaft. Sie muss ihre Begriffe, ihre Ideen, die ja von geistigen Welten handeln, sie muss sie heraufführen aus demjenigen, was wir im gewöhnlichen Verstande als Begriffe und Ideen haben und was nur für das Tote anwendbar ist, weil es aus dem Tode, aus dem Sterben stammt — sie muss heraufheben diese Begriffe ins geistige Leben. Und nur derjenige kann daher eintreten in diese Gedankenwelt der Anthroposophie, der den Willen in sich trägt, von den toten Begriffen zu den lebendigen Begriffen überzugehen; der den Willen in sich trägt, die Aktivität der Seele so zu gestalten, dass er dasjenige, was im Leben erfasst werden muss, dass er dasjenige erfasst, nicht in bequemer Weise nur erfassen will das, was im Tode allein erfasst werden kann. Wir bilden heute zu einem großen Teil unsere Physiologie, unsere Anthropologie dadurch aus, dass wir den Menschen nach dem Tode betrachten und aus dem Tode das Leben herauskonstruieren. Anthroposophie versucht, dasjenige, was im Menschen an den Tod gebunden ist, zu beleben und so die innere Seelenwelt selber als lebendige Geistigkeit heraufzuholen zu einer höheren Erkenntnis.
Cite:
GA 80b/1922-02-12/p041 · edition original