12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie
Meine sehr verehrten Anwesenden! Fürs Erste muss ich auch diesmal, wie bei früheren Vorträgen, die ich hier halten durfte, um Entschuldigung bitten, dass ich nicht in der Sprache des Landes den Vortrag halten kann. Da mir das nicht möglich ist, muss ich den Versuch machen, mich in meiner gewohnten Sprache verständlich zu machen. Fürs Zweite bitte ich zu entschuldigen, dass ich mit einer Erkältung hier angekommen bin, sodass vielleicht auch dadurch der Vortrag da oder dort gestört wird. Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man in der Gegenwart über eine Frage spricht wie die für das heutige Thema angekündigte, eine Frage, die ja zusammenhängt mit den tiefsten Bedürfnissen, den tiefsten Sehnsuchten der Menschenseele, dann entsteht ja aus der heutigen Zeitbildung heraus der Einwand, dass über solche Fragen wissenschaftlich, erkenntnismäßig, überhaupt nicht gesprochen werden könne, dass man sich begnügen müsse für solche Fragen, stehen zu bleiben bei den traditionellen Glaubensvorstellungen, bei demjenigen, was Empfindung und Gefühl über diese Dinge sagen. Das ist nun einmal die heute gewohnte Ansicht, und daher wird alles dasjenige, was von dem Gesichtspunkte einer wirklichen geistigen Erkenntnis, wie sie hier geltend gemacht werden soll, vorgebracht wird, eben heute als etwas Absonderliches empfunden werden. Alles dasjenige, was hier vorgebracht wird, was als Gesichtspunkte geltend gemacht wird, will durchaus auf demselben Boden stehen, den man gewohnt ist, als den wissenschaftlichen anzusehen im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, wo die zu einem großen Erfolg gelangten Naturwissenschaften eigentlich ihre Höhe erstiegen haben. Aber wenn man nur diejenige Erkenntnismethode, die in der heutigen Wissenschaft zur Anwendung kommt, gelten lässt, so kann man eben nicht einen Weg finden in jene Gebiete hinauf, in denen die Antworten gesucht werden müssen, soweit sie den Menschen möglich sind in solchen Fragen wie diejenigen, die wir heute behandeln wollen: die Fragen der Seelenewigkeit, der Ewigkeit des innersten Wesens des Menschen.
Cite:
GA 80b/1923-05-14/p003 · edition original