12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie
Da lassen Sie uns einmal — meine sehr verehrten Anwesenden — eine gewisse recht gewagte paradoxe Hypothese annehmen. Denken Sie nur einmal, wir würden unser ganzes Erdenleben hindurch niemals erwachen, sondern fortwährend träumen. Wir würden dann für unser bewusstes Erdenleben uns ausgefüllt haben mit all den Vorstellungen, die wir eben kennen aus den Träumen. Und man könnte sich zur Not durchaus denken, dass deshalb trotzdem durch irgendwelche Naturkräfte oder meinetwillen durch geistige Wesen, die uns zu unseren Handlungen treiben, zu alldem, was wir vom Morgen bis zum Abend tun, dass trotzdem unser äußeres Leben so verläuft, wie es verläuft. Wir würden nur nichts mit wachen Vorstellungen begleiten. Wir würden etwas ganz anderes tun, von dem wir nichts wissen, aber wir würden unser ganzes Erdenleben hindurch träumen. Und wir würden niemals auch nur zu dem Gedanken kommen, dass das nicht die wahre Wirklichkeit ist. Denn dass wir Dinge angreifen, mit Augen sehen, wie wir es im wachen Zustande haben, das würde gar, gar niemals eintreten.
Cite:
GA 80b/1923-05-14/p007 · edition original