12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie

GA 80b/1923-05-14/p013 ·1923-05-14 · original (original)
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Nun gibt es eine Seelenkraft, der gegenüber heute schon selbst einsichtigere Philosophen zugeben, dass, wenn man sie richtig anschaut, sie bereits auf die ewige Wesenheit des Menschen deutet; sie deutet darauf, aber man will eben diese Seelenkraft nicht weiterentwickeln. Man will einfach philosophische Spekulationen über sie anstellen. Das heißt, man will geradeso, wie wenn der Träumer nicht aufwachen wollte, sondern über den "Traum weiter träumen wollte, um sich einen Aufschluss über den Traum zu geben, so will man eben in der gewöhnlichen Wirklichkeit stehen bleiben. Man will nicht ein zweites Mal aufwachen. Diejenige Seelenkraft, die ich meine, sie ist ja jenseits der Erinnerungskraft. Ich will mich, weil ja die Zeit dazu selbstverständlich nicht da ist, sonst könnte es durchaus sein, hier nicht in weitmaschige philosophische Auseinandersetzungen einlassen, sondern ganz beim populären Bewusstsein bleiben. Aber stellen wir uns einmal vor durch dieses populäre Bewusstsein, wie denn die Erinnerungskraft, Gedächtniskraft im Menschen eigentlich wirkt? Ereignisse, die wir vielleicht vor Jahrzehnten durchgemacht haben, sie werden, sie werden rein vorstellungsgemäß aus den Tiefen der Seele heraufgeholt oder meinetwillen, sagen wir, aus den Tiefen des menschlichen Wesens, damit wir gar keine Hypothese über die Seele aufstellen. Aus den Tiefen des menschlichen Wesens heraus wird im Gedankenbilde vor die menschliche Seele gezaubert dasjenige, was vor Jahren vielleicht in aller Lebendigkeit durchgemacht worden ist. Was liegt denn da eigentlich vor? Da liegt das vor, dass wir in der Erinnerung, im Gedächtnis etwas haben, was sich von allem übrigen Verhalten des Menschen zur Außenwelt unterscheidet, wenn er diese Außenwelt wahrnimmt. Um die Außenwelt wahrzunehmen, muss sie da sein. Wenn die Augen sehen, muss dasjenige, was gesehen wird, da sein. Wenn die Ohren hören, so muss dasjenige, was gehört wird, da sein und so weiter. Die Gegenwart des zu Erlebenden wird von der Wahrnehmung vorausgesetzt. Bei der Erinnerung haben wir etwas in der Seele, was jetzt nicht gegenwärtig ist; was so wie eine Wahrnehmung vielleicht vor langer Zeit, sehr langer Zeit, vielleicht vor Jahrzehnten gegenwärtig war, was jetzt nicht mehr da ist, wird durch die Erinnerung vor unsere Seele gezaubert.

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