12. Seelenewigkeit Des Menschen Vom Gesichtspunkt Der Anthroposophie
Man greift auf, ganz gleichgültig wie er sich zur Wirklichkeit verhält, irgendeinen überschaubaren Gedankeninhalt. Überschaubar muss er sein, damit man sich nichts suggeriert. Und immer wieder wird natürlich gesagt, dass diejenige Weltanschauung, die ich hier vertrete, ja auch eine Autosuggestion oder dergleichen sein kann. Derjenige, der wirklich das sieht, wie die Seele zu dem zweiten Erwachen kommt, wird diesen Gedanken wirklich aus sachlichen Gründen aufgeben, dass es sich hier um irgendeine Autosuggestion oder um irgendetwas dergleichen handeln könne. Also: Überschaubare Vorstellungen werden in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt. Dann wird in strenger Seelenkonzentration und meditativ alle Kraft der Seele darauf verwendet, nun diese Vorstellungen durch eine gewisse Zeit hindurch eben im Bewusstsein zu haben. Da merkt man dann, wie etwas in den Seelenkräften eintritt, das ich mit Folgendem vergleichen kann: Wenn Sie die Muskeln Ihres Armes immerfort anstrengen, dann werden diese Muskeln des Armes wesentlich verstärkt. So werden die Seelenkräfte verstärkt, wenn Sie sie mit aller Energie auf eine immer wiederkehrende Vorstellung richten. Je nach der Begabung des Menschen, dauert es für den einen vielleicht wenige Wochen, für den andern viele Jahre. Das hängt ganz davon ab, wie eben die Seelenverfassung ist, die der Mensch in sich hat. Aber durchgeführt müssen für wirkliche geistige Forschung solche Übungen werden.
Cite:
GA 80b/1923-05-14/p017 · edition original